03.06.2010
Nach anfänglichem Schwachsinn wird der Film doch ernster, als man es gedacht hätte.
Der degenerierte, dekadente Westen, repräsentiert durch die weiße Amerikanerin Deborah, ist am Ende. Alles wird nur noch über Leistungsdruck geregelt, sogar Sex verkommt zum seelenlosen Leistungsport. Es herrscht der Machbarkeitswahn, z.B. der Zwang, seinen Körper um jeden Preis nach gelten Schönheitsmaßstäben zu formen. Dies wird mit Verbissenheit sondergleichen verfolgt, die jede Lebendigkeit tötet.
Doch wenn es das einzige Problem wäre. Mit ihrem Mann will John will Deborah immer alles bereden, sie kotzt alles aus, beherrscht perfekt den tirvialisierten Psychologie-Jargon, hat aber vom Leben nichts verstanden. Das Schlimmste ist aber, dass sie ihre eigene Tochter verleugnet, weil sie zu dick ist, und nicht so gescheit, wie es die Mutter gerne. Deshalb wird die Tochter verraten. Deborah „verliebt sich“ in die Tochter ihrer mexikanischen Haushaltshilfe Flor.
Deborahs Mann leidet an all diesen Symtomen des Verfalls, er hat eine Sehnsucht nach etwas ganz Anderem, Unverdorbenem. Und verliebt sich naturgemäß in Flor.
Die Großmutter, früher eine Diva, die mit im Haus lebt, ist zwar auch „degeneriert“, hat aber noch das Gespür für das Richtige nicht verloren. Die Alkoholikerin wird nüchtern und tatkräftig, als sie merkt, dass ihre Tochter durch ihr irrsinniges Verhalten im Begriffe ist, ihren Mann zu verlieren und ihr Leben zu ruinieren. In einer tragi-komischen Aktion körperlicher Überwältigung hindert sie ihre Tochter daran, ihren Mann fertig zu machen. Eine spannende und originelle Mutter-Tochter-Beziehung!
Die intendierte Botschaft des Filmes ist: Mexikaner sollten sich nicht sonderlich assimilieren und an den US-Lebensstil anpassen, sie sollen bleiben, wie sie sind. Die (mexikanische) Tochter soll wie die (mexikanische) Mutter werden, soll sich nicht von der verkommenen „Kultur“ des Gastlandes infizieren lassen, nicht ihre Identität verändern. Das ist die edle Aussage des Filmes – ist sie aber wirklich so edel?
Nichts gegen die Kritik des westlichen Lebenswandels, des Konsumwahns und dergleichen. Aber: Warum sollte die Tochter eigentlich wie die Mutter werden?
Die mexikanische Mutter ist verschwiegen, stolz, streng katholisch wahrscheinlich, besticht durch ihre Einfachheit und vermeintliche „Urprünglichkeit“, durch ihren Sinn für das Gute, Moralische. Sie verweigert es rigoros, Alkohol zu trinken, setzt alles daran, ihre Tochter von Jungs fernzuhalten und verbietet bestimmte Verhaltensweisen, die Cristina von der amerikanischen Familie lernt (z.B. bunte Strähnen im Haar haben). Am Ende entscheidet sich Flor gegen das Ausleben der Liebe zum John Clasky. Eine bewundernswerte Frau! Wir sollen von ihr lernen, wie wir leben sollen in Zeiten unseres Werteverfalls, nicht sie von uns – will uns der Film sagen.
Wenn da nicht der nagende Zweifel in mir wäre, ob das alles nicht doch etwas zu einfach ist. Denn auch die Mexikanerin Flor missbraucht eigentlich ihre Tochter. In der Emigrationssituation ist die Tochter das Einzige, was sie hat. Bei Strafe ihres Untergangs kann sie die Tochter also nicht loslassen, ihr zum Beispiel erlauben, auf der amerikanischen Privatschule zu bleiben. Das narzisstische Bedürfnis, die Tochter immer bei sich zu haben und in ihr das eigene Abbild zu sehen, aber auch der Stolz bringen Flor dazu, ihre Tochter aus der Schule zu nehmen. Es gelingt ihr, Cristina zu „bezwingen“ und zu überzeugen, dass all dies zu ihrem Wohl geschieht. Die Tochter wird sich im Endeffekt viel zu sehr mit der Mutter identifizieren, wird Schwierigkeiten haben, eine eigenständige Person zu werden und sich auch notfalls von der Herkunftskultur zu distanzieren. Deshalb stört die etwas verlogene Mutter-Tochter-Romantik im Finale des Filmes.
Der Film idealisiert die vermeintliche „Ursprünglichkeit“ der Fremden. Natürlich ist es gut, wenn wir uns vom Fremden ansprechen und inspirieren lassen, uns dadurch selbst erweitern, unseren „Schatten“ integrieren. Es wäre jedoch gut, dies zu tun. ohne das Fremde zu verklären und ohne wiederum seine Schattenseiten zu übersehen (das Dogmatische zum Beispiel, die zu große autoritäre Strenge, die Schwierigkeit, Kinder loszulassen). Hybride Identitäten schweben mir vor, ein gegenseitiges Sich-Befruchten.
Trotzdem ein netter Film, der dazu anregt, sich nicht nur Fragen zum Verhältnis der Gastkultur zur Migrantenkultur und zu Mechanismen mentaler Kolonisierung, den kulturellen und gesellschaftlichen Dominanzverhältnissen zu stellen, sondern auch über Mutter-Tochter-Relationen nachzudenken. Wir könnten uns hier fragen: Achte ich meine Tochter als eigenständigen Menschen? Akzepiere ich sie, obwohl sie in manchen Dingen meinen Idealvorstellungen nicht entspricht? Oder verrate ich sie, will sie mit Gewalt nach meinem Ebenbild „machen“? Sorge ich genügend für mein eigenes Glück, damit ich meine Tochter gehen lassen kann?
Meine Tochter sagt mir gerade, ich missbrauche und missdeute den Film, nutze ihn als Vorwand, um eigene „Wahrheiten“ zu verkaufen. Und wo sie Recht hat, hat sie Recht.
Abstract in der Muttersprache Polnisch:
Kilka słów z okazji obejrzenia komedii amerykańskiej „Spenglish” (2004). Kochane kobiety, zastanówcie się nad tym, co robicie swoim córkom. Czy czasem ich nie „gwałcicie”, żeby koniecznie zaczęły odpowiadać panującym normom dotyczącym czy to wyglądu, czy innych kwestii? Np. doboru męża chociażby, czy wyboru zawodu? Żeby stały się podobne do was i przysparzały Wam w dodatku prestiżu? Matki, starajcie się o to, żeby same być szczęśliwe, bardzo pomożecie w ten sposób swoim córkom, zwolnicie ich z odpowiedzialności za was, przekażecie im power potrzebny do ich własnego szczęścia. Dacie zezwolenie na fajne życie.
Kochani przedstawiciele zdegenerowanego Zachodu, którzy pragną się zreformować i uchronić świat przed upadkiem – nie popełniajcie odwrotnego błędu i nie popadajcie w bezkrytyczną apoteozę „obcego” sądząc, że siła tkwi w „archaiczności”! Inspirujmy się i zapładniajmy nawzajem – was auch immer das bedeuten mag.
Kochana mamusiu! Nie naginaj filmu do własnego światopoglądu, nie wykorzystuj filmu w bezczelny sposób do tego, żeby sprzedać ludziom jakieś swoje prawdy i wygłosić kolejne kazanie. Powiedziała mi córka.