Archive for Juni, 2011

Jongliershow in der Martinova Bouda und andere High-Lights im Riesengebirge

Sonntag, Juni 19th, 2011

-  Ich Flachlandindianer und Meerjungfrau seit vorgestern im Riesengebirge.

- Vorgestern eine wunderschöne Fahrt von Berlin über Polen nach Tschechien, teilweise vor sich hinbröselnd über die polnische, sehr holprige Autobahn, mitunter nur mit Tempo 50 befahrbar. Doch mir passt das ganz gut, ich mag gar nicht schneller fahren. Energiegeladene Musik unterwegs. Unter anderem deutsche Wanderlieder aus den 30-ern (Heinz Rühmann u.a.) Deutsche und ihr zackiges Wandern. „Wozu sind die Straßen da? Zum Marschieren, zum Marschieren in die weite Welt!“ Na ja. Mittagessen auf dem Markt in Bolesławiec (Bunzlau). Alle gehen dort alles sehr ruhig an. Kein Mensch sieht gestresst aus. Warum nur um Gottes Willen heißen „pierogi ruskie“ hier „pierogi mediolańskie“?

- Gestern eine Riesenwanderung bei Wind und Wetter, im Nebel, duch steinige Berglandschaften. Schluchten und Abgründe zum Anfassen nah. Ich habe zwar nachts schon Albträume davon gehabt, was ich alles werde leisten müssen, die Realität übertrifft jedoch bei weitem meine Befürchtungen.

- Schöne tschechische „Bauden“. Ihre Gemütlichkeit und Wärme. Wildschweinfelle an der Wand (dazu habe ich ein ambivalentes Verhältnis). Ein 100-Jahre alter Kachelofen mit nachträglich eingravierten olympischen Ringen von 1936 steht auch drin. Ein ganz besonderer Kellner mit Schnurrbart und nach hinten gegeltem Haar über dem strahlend weißen Kragen in der Martinova-Bouda. Gute alte Schule, heute leider fast schon ausgestorben. Er wirft nur einen Blick auf den Gast und weiß alles über ihn. Spricht Polnisch mit mir. Ich sage velky (tmavy Krkonoš /dunkles Rübezahlbier), er sagt dužy, als ob er sich mit mir zanken würde. Ich sage čaj, er sagt herbata, ich sage polevka, er sagt zupka, und so weiter. Das ist mir einer. Lächelt verschmitzt. Dann jongliert er für uns mit Schnaps- und Biergläsern. Ein richtiger Clown. V. war schon oft in dieser Kneipe, aber bisher nur mit Männern. So etwas würde man aber nur erleben, wenn man mit einer netten Frau unterwegs ist, meint er. Wir fühlen uns geehrt, da der Kellner nur uns diese Ehre erweist. V. sieht plötzlich an sich herunter und stellt erstaunt fest: Mensch, das ist ein Ding, ich habe heute Spendierhosen an. (Er spinnt, es handelt sich um eine ganz gewöhnliche, bunt karierte, im China-Laden erworbene Tschechien-Wanderhose). Nichtsdestotrotz gibt V. dem Kellner ein korrektes Trinkgeld.

- Ja, das gefällt mir, wenn Männer – wie der tschechische Kellner – vor den Frauen ihre Künste ausbreiten, um sich zu qualifizieren. Und wir Frauen schauen einfach zu, was sie so zu bieten haben, um dann zu entscheiden, welcher der Beste ist. Ich esse „česnekovou polevku“ (Knoblauch-Suppe), V. „smaženy syr” – mit “tatarskou omačkou“  versteht sich. Und die Musik dazu: Ivan Mladek Illegal Band (der von „Jožin z Bažin, lässt hier aber richtig die Sau raus).

- Die polnische Baude, die wir gestern besucht haben (Reifträgerbaude/Szrenica) hat eher einen Kantinecharakter, andere polnische Bauden auch, es sind halt eher Jugendherbergen, sind aus einer anderen Tradition hervorgegangen. Dafür aber gibt es hier wunderbare Eierkuchen – „naleśniki ze śmietaną i jagodami“ – ein kulinarischer Höhepunkt. Meine Haare sind völlig zerzaust, ich sehe vielleicht aus. Im Nu ist meine ganze, heute morgen so sorgfältig zurechtgedrückte Frisur dahin. V. meint, in meinem jugendlichen Leichtsinn wäre es mir früh morgens noch wichtig gewesen, mich zu schminken und farblich aufeinander abgestimmte Wanderkleidung zusammenzusuchen. Im Laufe der Wanderung würde sich dann schon zeigen, wie vergeblich oder gar abwegig diese Bemühungen gewesen seien. Es gilt auch hier: Wo er Recht hat, hat er Recht. Anfangs schämte ich mich, mir an der Schneegrubenbaude ein „Babuška“-Tuch um die Ohren zu wickeln, es war mir vor anderen Wanderern peinlich. Doch der kalte fauchende Wind ließ mich jede Peinlichkeit vergessen.

- Wir sehen anders aus als alle anderen, sagt V. Oder wir bauen bloß so einen Mythos auf, dass wir anders sind, das hätten wir nämlich gern. 

- V. sieht sich kurz um, ob keiner da ist und springt flugs in die kalte Elbquelle, die wie ein Taufbecken aussieht. Das ist wohl auch V.-s heidnische Taufe, die ihm Kraft und Mut für den Rest des Lebens verleihen soll. Kommt sich vor, als würde er wie Siegfried im Drachenblut baden. (Doch anders als bei Siegfried trübt kein Grashalm das Vergnügen.) Ich fotografiere und lache mich kaputt dabei. V. lacht zwar auch, aber für ihn ist das wirklich ein heiliger Ort, was ich nicht zu begreifen scheine. „Das merke ich doch“, sagt er jetzt, wo ich ihm das vorlese, „dass du gar keinen Bezug dazu hast“. Dabei muss man seiner Meinung erschauern, wenn man schon das Wort „Elbe“ hört. Ich würde lapidar darüber hinweggehen, beschwert er sich. „Ja, Elbquelle, unwichtig, habe mich kaputt gelacht. Ein Spaß gewesen“, äfft er mich nach. Dabei stand hier in den zwanziger Jahren an der gleichen stelle seine Oma mit ihrer Schulklasse, vor über 80 Jahren. Er hat ein Foto davon, leider vergessen mitzunehmen.

- Und da ich über seine Taufe so gelacht habe, macht er heute Faxen in einer kleinen Kapelle. Versucht sich erst als Glöckner von Spindlermühl, und dann in der Priesterrolle (mit seinem Rübezahlstock, den er sich heute unterwegs geschlagen hat). Plötzlich wird er sich aber der Bedeutung dieses Ortes bewusst und kann die adäquaten Worte (wo er mich doch sonst pausenlos zusappelt) nicht mehr finden.

- Es regnet tierisch. Doch wenn wir wollen, dass es aufhört zu regnen, brauchen wir nur unsere Regenumhänge überzustülpen, dann hört es schlagartig auf. Stecken wir die Umhänge wieder in die Rücksäcke, geht es automatisch wieder los. Da neckt uns wohl der gute alte Rübezahl wieder. Er muss uns wohl mögen, begleitet uns fast die ganze Zeit in Gestalt eines zwitschernden Vögelchens. Er lässt die Landschaft im dichten Nebel verschwinden und uns dann auf einmal unerwartet in seiner ganzen Pracht in die Augen springen, lässt Wanderer urplötzlich aus dem Nebel auftauchen, um uns Schrecken einzujagen, uns einzuschüchtern usw.

- Schritt für Schritt schrubben wir 20 Kilometer ab. Binsenweisheit, aber diesmal am eigenen Körper erlebt: Mit kleinen Schritten kann man Riesenentfernungen zurücklegen, weit entfernte Ziele erreichen. Man muss nur Schritt für Schritt weitergehen.

- Wir klettern über Stock und Stein, begrüßen andere Wanderer, jeder grüßt in seiner eigenen Sprache, Tschechisch, Polnisch, Deutsch oder vielmehr Sächsisch (hellou). Beim Besteigen einer der zahlreichen Felsformationen erfasst eine Windböe mein Basecap und lässt es im hohen Bogen 100 Meter durch die Luft flattern. Ich habe die Mütze gedanklich schon aufgegeben, und dabei war es eins von den vom Wanderleiter gestellten Objekte, die zu meiner Ausrüstung gehörten und auf die ich acht geben sollte. Zum Glück hat V. die Flugbahn genau verfolgt und den Landeplatz im Gestrüpp ausfindig machen können.

- Diese neblige, geheimnisvolle Landschaft hat es in sich. V. zeigt mir abgestorbene Bäume, Wiesen mit wunderschönen weißen Blumen, erzählt von den Zwergkiefern, die jetzt teilweise ausgerottet werden, da sie alles hier überwuchern. Erklärt mir die Überlegenheit des Aldi-Fahrrad-Regenumhangs über den gewöhnlichen Regenmantel. Spielt den Gruppenleiter und den Schlaumeier. Zwischendurch müssen wir uns mehrmals in die Büsche schlagen, na klar.

- V. versucht den Nebel filmisch festzuhalten, er ist ein Kamera-Junkie. Fotografiert schöne Blechschilder, die zu den einzelnen Bauden führen. Ist in seinem Element. Kurz vor dem Anbruch der Dunkelheit, mir ist schon ein wenig unheimlich, taucht aus dem Nichts unsere Pension auf.

- Heute früh taucht wiederum V. aus dem nebligen Bad mit einer neuen frechen Frisur auf: Wow, ein angedeuteter, angegrauter Irokese. Irgendwie schräg. Beim Frühstück gibt es kaum freie Plätze, Massen von deutschen Urlaubern sind hier, vor allem Sachsen, die auch an der Rezeption Sächsisch sprechen und sich nichts draus machen. Ein Paar Leute aus Polen gibt es auch, diese machen schon beim Frühstück Witze und lachen laut, sie warten damit nicht bis zum Abend, bis zur Biergeselligkeit.

- Deutsche Frauen an der Rezeption: erledigen alles auch für ihre Männer. Ja, Frauen werden mit dem Alter männlicher, Männer geben (manchmal) das Zepter ab und machen schlapp. Die Geschlechter werden einander ähnlicher.

- Heute wandere ich nicht mit. Tut alles ein wenig weh, bleibe im Zimmer, ich würde vor mich hin schwächeln, meint Joseph K., die Tür zum Südbalkon ist geöffnet, ich will schreiben, außerdem das Zimmer und die Aussicht genießen.

- Ich schreibe während V. ein Schrifsteller-Haus besucht, er macht eine Gerhard-Hauptmann-Tour (Agnetendorf). Nach 30 Minuten Regen quietscht das Wasser in seinen Schuhen. Jetzt liegt er erschöpft auf dem Bett und spielt Maultrommel, er hat das von Janosik gelernt, einem Helden seiner Kindheit.

- V. diktiert mir zu viel davon, was ich schreiben soll. Dann sage ich: Schreib doch selber deinen Blog. Schreib ruhig auch über mich, was du zu sagen und zu meckern hast, zum Beispiel:

G. hat untewegs getänzelt.

G. hat keinen Bezug zur Elbquelle.

G. hat heute geschwächelt.

G. hat Toilettenpapier ausgehen lassen und wollte nicht gleich neues an der Rezeption holen.

G. hat die Fußmatte vor der Dusche nicht trocknen lassen und sie ist jetzt nass.

G. hat nach der Wanderung eine rosige, frische Hautfarbe gekriegt.

 

Wir sind ein Team.

Jedenfalls ein weiterer Mythos, an dem wir fleißig arbeiten.


Tage des Meeres in Stettin. Corvus Corax – Konzert

Dienstag, Juni 14th, 2011

Freitag und Samstag „Tage des Meeres“ in Stettin – wir haben das Volksfest am Hafen zufällig erwischt. Freitag Abend ein Konzert im Freien – Mittelaltermusik am östlichen Ufer der Oder. Bevor es losgeht legen wir den Grundstein für den Erfolg: V. nimmt ein Bier, ich ein Bier mit Himbeersaft, eine polnische Damenspezialiät. V. verzieht verächtlich das Gesicht: „Schwuchtelbier“. Er kann es einfach nicht lassen. Leider darf Bier nur im Zelt getrunken werden, wir dürfen es nicht mit vor die Bühne nehmen wie es in Berlin üblich ist. Hier werden wir mit unserem alkoholischem Getränk durch eine Absperrung gefangen gehalten. Nette, schwarz gekleidete Jungs achten darauf, dass wir nicht rauskommen, offenbar hat man  hier Angst vor den Trinkenden, sie könnten zur Bedrohung werden. Daran erkennt man Kulturen mit Alkoholproblem. Auch in der Uni Stettin ist das Trinken nicht erlaubt, selbst nach einer erfolgreichen Verteidigung der Doktorarbeit gibt es höchstens Kaffee. In Deutschland fließt der Sekt zu Geburtstagen in Strömen. Wenigstes bei den Slavisten an der Humboldt-Universität ist es so. Mit Rotkäppchen wird dort nicht geknausert. Es hat noch Hochkonjunktur wie zu guten alten DDR-Zeiten.

Es singt die Berliner Gruppe Corvus Corax. Feierliche Gewänder der Sänger, ihr priesterliches Gehabe, mittelalterliche Instrumente, Dudelsäcke, Riesentrommeln und anderes, was ich nicht identifizieren kann. Geheimnisvoll-metaphysisch, rituell, wie eine heidnische Messe. Düstere Gesänge. Ich stelle mir vor, welchen Spaß es machen muss, sich als Musiker so für ein Konzert zu verkleiden, für ein paar Stunden in die Rolle des Zauberers und Schamanen zu schöpfen und die Masse zu beschwören. Ich versuche, die Trance zuzulassen. Wofür war, wofür ist diese Musik gut, in welchem Lebensgefühl liegen ihre Ursprünge? Sich in den  Pulsschlag des Lebens einzugliedern, den Naturrhytmen, den unabänderlichen Gesetzen des Lebens zu beugen? Freude wie Schmerz zu akzeptieren, den Tod anzunehmen, der an jeder Ecke lauert?

Nur wenige besuchen dieses Konzert. Die Hakenterasse ist zwar voll von jungen Leuten, doch die meisten interessieren sich nur für das bunte Treiben auf dem Rummel. Vor der Bühne stehen und schaukeln sich sanft vielleicht nur so 100 Leute. Ganz vorne einige rabenschwarz angezogene Fans der Gruppe aus Berlin, die richtig mitgehen und den anderen zeigen, wo es lang geht. Lange Haare haben die dürren, großen Jungs, ihre Bewegungen sind mutig, auffällig, aber etwas scharf und kantig. Knochig. Skelettentanz. Gleich geht’s los, sagt V., gleich fangen sie an, die Matte zu schmeißen, so wie es die Ossis immer gemacht haben. Und es geht in der Tat los, die langen Männermähnen werden geschüttelt und gerüttelt nach allen Regeln der Kunst. Junge Mädchen räkeln sich im Tanz, reiben fast aneinander. Ja, der Tod kann auch schön sein, ein sinnliches Erlebnis.

Wir tanzen direkt hinter den Härtesten. Versuche, mich wie im Karneval zu fühlen, stelle mir vor, ich hätte eine Maske auf und keiner würde mich erkennen. Denn wenn man mit V. tanzen geht, gibt es keinen Halt und kein Zurück. Man muss aufs Ganze gehen, auch wenn man blöderweise eine spießige Damentasche dabei hat und sowieso nicht mehr zwanzig ist. In der DDR war ja die Musik DAS Ventil, DIE Eintrittskarte in eine nicht reglementierte Welt.

Lichtflimmernde Staubwolken steigen zum Himmel auf. Plötzlich fangen die jungen Leute vor uns an sich gegenseitig zu schubsen und miteinander zu raufen. Es bildet sich ein gespenstischer Kampfkreis wie zu Anbetung von unbekannten Göttern. Was jedoch anfangs wie Aggression aussieht, entpuppt sich als ein Spiel. Beim Raufen berührt man sich, kommt sich auf eine schroffe und unsentimentale Art näher ohne sich zu nahe zu kommen. Man zieht sich an und stößt sich wieder ab.

Mache gleich einen Schritt nach hinten, will nicht in den Strudel hineingeraten, das wäre mir dann doch zu viel. Blicke um mich herum und entdecke in der Ecke eine Frau zwischen 60 und 70, die ganz kräftig mitsingt, vielleicht eine Oma von einem der Musiker. Bei ihr fühle ich mich geborgen. Sie macht sich nichts aus ihrem Alter.

Als wir am Abend bei Inga ankommen sind unsere Schuhe völlig verstaubt. „Wer nicht angesaut nach Hause kommt,ist nicht dabei gewesen“,  entschuldigt sich V.

Samstagmorgen. Frühstück bei Inga auf der Terasse. Es ist sonnig, es gibt gutes Essen, saftige Kirschen, Erdbeeren, aromatischen Wiener Kaffee und eine lockere Unterhaltung. Purer Genuss. Es fällt schwer, sich vom Tisch zu erheben und zur Stettin-Eroberung aufzumachen. Wir verbringen den zweiten Stettin-Tag in der Altstadt, essen an der Hakenterasse mit herrlichem Blick auf die Schiffe. Bewundern den Hafen. V. hat eine Schwäche für Häfen, genauso wie er eine Schwäche für Schleusen hat. Wir sitzen einfach da und schauen zu. Nur das Fotografieren können wir nicht lassen. V. fotografiert junge russische Matrosen auf einem riesigen Segelschiff – wie sie vorne am Bug sitzen und mit ihren Notbooks rumhantieren, um den virtuellen Wind in die Segel zu kriegen.

Das einzige, was stört – laute Musik in den Hafencafes. Man kann die Ruhe, die Atmosphäre, das Wasser nicht genießen. Selbst als das Orchester am Ufer zu spielen beginnt, machen Sie ihre Musik nicht aus. Nichts gegen Eminem, ich mag ihn, aber hier passt es einfach nicht hin.

An Marktständen wird Diverses verkauft. Gerne würden wir, wie viele andere Besucher auch, die Brotbrause, kwas chlebowy, besorgen, eine ostpolnische Spezialität. Sie ist jedoch den Litauern ausgegangen – eine allgemeine Enttäuschung.

Wir kaufen noch schnell bei Biedronka ein und anderthalb Stunden später sitzen wir schon auf dem Balkon im Prenzlauer Berg. Es ist eben nur ein Katzensprung.

 

 

Was ist Nähe

Samstag, Juni 4th, 2011

Wirkliche Nähe ist nicht dramatisch, ist nicht spektakulär. Schwankt nicht zwischen extremen Höhen und Tiefen, zwischen Idealisierung und Entwertung, Vergötterung und Verdammung. Wirkliche Nähe ist kein Theater, in dem wir immer aufs Neue unsere Kindheit reinszenieren oder ihr zu entfliehen versuchen. Sie ist eher ein ruhigeres Gewässer, ein leises Plätschern, ein Schweben. Manchmal wirds auch holprig.

Wir dürfen Fehler machen.

Es ist nicht immer gut.

Und es ist gut so.

Manche haben große Angst vor dieser Nähe (meist wurde es ihnen verwehrt, in der Kindheit Nähe und Beziehung als etwas Positives und nicht extrem Bedrohliches zu erleben). Davon erzählt u.a. Rozewiczs Theaterstück “Die Falle” (Der Fall Franz Kafka).

Es wäre gut, zu lernen, einander nahe zu sein und gleichzeitig frei zu bleiben und sich selbst zu bestimmen. Freiheit IN der Beziehung. Dann wäre Nähe keine Bedrohung mehr. Für niemanden.

Dann würde man sich nicht eingeengt fühlen, keine Enge in der Brust verspüren. Keine ANGST, keine klaustrophobischen Gefühle, keine Panik. Dann würden wir uns öffnen. Denn die Weite ist gut.

Gefühle fühlen

Samstag, Juni 4th, 2011

Wenn wir uns weigern, die Gefühle zu FÜHLEN, entwickeln wir SYMPTOME.

Es ist nur Schmerz.

Der Schmerz ist die Tür.

Er muss “nur” transformiert werden.

Black Swan, white Swan oder ein ganz normaler Mensch. Woran Frauen zerbrechen

Samstag, Juni 4th, 2011

Einige Gedanken zum Film “Black Swan”.

 

 

Kein weißer Schwan sein.

Kein schwarzer Schwan sein.

Vielleicht ein grauer Schwan.

Vielleicht eine Ente.

Im Zweifelsfall zum Schwein werden.

 

Für mich war das ein (kein besonders guter) Film über Fremdbestimmung und Unfreiheit. Versklavung  und “Vergewaltigung” durch die Mutter, die die Werte dieser Gesellschaft repräsentiert, obwohl sie selbst an ihnen zerbrach, und durch den “Chef” (patriarchale Gewalt, Missbrauch). Heldin geht an den widersprüchlichen Erwartungen unserer Gesellschaft an Frauen zugrunde. Frauen werden mit der Polarisierung des Frauenbildes (in “Heilige” und “Hure”) diszipliniert und aufeinander gehetzt. Manche gehen daran zugrunde.

Für mich ging es also hauptsächlich um Fremdbestimmung – Selbstbestimmung.

Für andere, für junge Mädchen und Menschen war das u.a. ein Film über:

Kontrolle  – Loslassen

Zwang zur Perfektion – Mut zum Unperfekten

Emotionalität – Rationalität.

 

Das kann natürlich auch allgemeinmenschlich gelesen werden, es gilt nicht nur für Frauen. Übertriebene Kontrolle lähmt. Perfekt sein wollen führt zum Totsein.

Jeder findet in künstlerischen Werken bekanntlich vor allem das, was ihn selbst bewegt.