“Du bist nicht allein” – sozialkritisch, aber na ja

Filmabend zu Haus: „Du bist nicht allein“ (deutsche Tragikomödie von Bernd Böhlich aus dem Jahr 2007) voller Anspielungen auf „Halbe Treppe“ von Andreas Dresen 2002). Sozialkritisches Kino. Plattensiedlung, Arbeitslosigkeit. Die Russen dürfen nicht fehlen, vor allem eine attraktive Russin, die den arbeitslosen Familienvater (Axel Prahl) und Ehemann verzaubert. Für sie spielt er gerne Freund und Helfer, stürzt sich in Unkosten. Und sie bewundert seine Balkonmalereien – die Ehefrau hat es nämlich nicht getan. Trotzdem – Axel Prahl ist der überzeugendste Ossi, den es gibt (obwohl er ein Wessi ist). Ansonsten verzaubert mich der Film eher nicht, auch wenn der Busen der russischen Nachbarin immer sehr betont ins rechte Licht gerückt wird, damit wir ihn nicht übersehen. Katharina Thalbach in der Rolle der alten und etwas „verbrauchten” Ehefrau – nicht so überzeugend, zu markant. Sie hat zu viele ähnliche, „proletarische“ Rollen gespielt. (In der „Sonnenallee“ war sie super.) Der Kontrast zwischen ihr und der Russin zu groß, zu plump. Jewgenia selbst zu blass. Gesamturteil:  Zu direkt, zu deutlich, dadurch zu flach geraten. Da hilft das offene Ende auch nicht mehr.

Der zweite Handlungsstrang mit einem arbeitslosen Physiker, der dem Alkohol verfallen ist und von seiner Ex-Frau nicht lassen kann – stiller, dezenter, schöner, nicht so eindeutig. Poetische Szenen, witzig-melancholisch, zu Herzen gehend. Erinnert mich an eine Erzählung von Krzysztof Niewrzęda.

 

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