Das Glück in der Jägerklause und anderswo

April 12th, 2011

Heute weckt mich die Sonne, der Frühling weckt mich, alles ist grün, alles treibt und singt und frohlockt. Was für eine Weite im Herzen, ein Gefühl von Freiheit und Liebe, dass man die Welt umarmen möchte. Ein richtiger Kurzurlaub letztes Wochenende. Eine ausgiebige Fahrradtour mit W. durch Pankow, Wedding, Tegel und Reinickendorf, an einem grünen Streifen und fast immer am Wasser entlang. Beim Fahhradfahren an solch wunderschönen Tagen in Berlin erschließen sich mir die Paradiese dieser Welt. Das schönste Paradieserlebnis entsteht durch die Verbindung des Natur- mir dem Kunsterleben. Glitzernde Wellen betrachten und dazu Gedichte lesen oder schreiben. Romantischer Kitsch, kann sein, doch es ist nur eine Etikette, weiter nichts.

Der Job ist: Auf die Pedale treten die Panke entlang, die Walter-Niklitz-Promenade. Unterwegs an der Wiesenstraße ein Denkmal für die Opfer des Blutmais von 1929, dann verträumte, halb wild zugewachsene, halb künstlerisch bearbeitete Hinterhöfe, die ich fotografieren muss. Berlin-Romantik- pur. Weiter am Spandauer Schiffsfahrts-Kanal, an Kleingärtenkolonien vorbei. Unterwegs viele Männer mit Vokuhilla-Schnitt (vorne kurz, hinten lang). Ein Spektakel extra für uns – Ruder-Wettbewerb. Anpeitscher laufen den Ufer entlang, feuern die Ruderer ziemlich grob an. Sie gehen W. mächtig auf den Sack. Er macht sie an: „Na, schafft Antje das wohl“?, fragt er eine junge Anpeitscherin. „Kannste nicht einfach mal die Fresse halten“?, schallt es ihm entgegen. Wir kommen an eine kleine Bucht, setzen uns ins Gras. Da spielen welche Wasserpolo auf ganz speziellen Kanus, rammeln sich an, prallen mit den Kanus aufeinander, schlagen mit ihren Paddeln den Ball, was das Zeug hält. Was es nicht alles gibt auf dieser Welt.

Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher. Abstecher sind eine Spezialität von deutschen Wanderern. Ganz vom Wege abkommen wollen sie nicht, auf Irrwege abgleiten sowieso nicht, aber so ein kleiner Abstecher kann nicht schaden. Ein bisschen Unordnung muss sein. So was schafft auch Hänschen klein. Dem Abstecher folgt das Einkehren. Auch eine sprachliche Köstlichkeit. Das Deutsche zergeht mir manchmal einfach auf der Zunge. Diese Sprache kann sich beileibe hören lassen. Wir wollen speisen in der Jägerklause, sind schon in Berlin-Tegel. Die Jägerklause liegt auf einem Winterlagerplatz für Boote. Die Ecke heißt wohl Saatwinkel oder so. Die Boote werden bereits geschrubbt, für den Sommer vorbereitet. Nachdem sich die stolzen Besitzer ihren Booten gewidmet haben, machen sie sich innen drin einen Gemütlichen und lassen dort Gott einen lieben Mann sein. Essen mitgebrachte Brote. Wir setzten uns auf die enge Terasse der Jägerklause neben ein anderes Pärchen. Es gibt nur Bockwurscht mit ner dürftigen Scheibe Brot. Wir sitzen vor den Booten und nehmen eine echte Erster-Mai-Parade ab. Die ganze Welt schreitet vor unseren Augen und stellt sich uns zur Schau. Flugzeuge erscheinen am Himmel, ganz ganz tief, fast zum Anfassen nah, feuern auf die Landefläche zu. „Extra für uns“, sagt W.  gerührt. Die Bockwürschte knacken wie es sich gehört. Der Mann vom Nebentisch erklärt am Handy, was er gerade macht: Wir kiecken Flugzeuge, sagt er und schmunzelt uns an. Ein Augenblick, der ewig dauern könnte. An dieser Jägerklause in Berlin-Tegel Flugzeuge kiecken. Auch Werters Wertung fällt positiv aus. Damit es nicht zu kitschig wird: Ein Hund, ein Riesenviech stört die Idylle, sabbert an unserem Tisch und an uns herum, verpiss dir, bellt ihn W., an hau ab, du Monster, schiebt er hinterher. Es ist korrekt, es geht ab.

Zumindest seelisch. Denn körperlich sind wir nicht satt geworden am Saatwinkel. Es geht weiter an einen netten Strand, dort gibt es Brezeln und unser erstes mitgebrachtes Warka-Strong-Piwo. Dann heißt es wieder, auf die Pedale treten, wir setzen unser Abenteuer fort, fahren am Ostufer des Tegeler Sees entlang bis zum Hafen Tegel. Mehr Migranten sind hier zu sehen, aber auch viele ältere Deutsche,  alle machen einen Symphatischen. Eine kunterbunte, sonnenüberflutete Promenade am Tegeler Hafen, Rentner, Musiker, Pärchen, Polen, eine Ausruferin am Schiff. Alle ganz friedlich vereint, wie auf einem Gemälde. Es ist laut, lebendig, locker. Ganz normale Leute, die gekommen sind, um die Sonne zu genießen. Weniger Getue und Gehabe, weniger Posieren, weniger Statussymbole, weniger Spannung, weniger Angst. Auf der Bank sitzen, sich von der Sonne küssen zu lassen, Wasser und Leute ankicken. Det reicht.

Der Kaffeedurst ist nicht mehr zu überspüren. Um die Ecke gibt es eine schöne Konditorei, W. war hier schon mal. Eine echte Konditorei, so was gibt es in Berlin kaum noch. Ein Kaffeehaus, in dem es noch nach Kaffee und Kuchen riecht. Wir gehen also konditorn. Fein und kultiviert machen wir das, lassen Fahrräder vor dem Haus stehen, glätten uns die Haare, kloppen den Staub von den Hosen ab, so, wir sind stubenrein und können nun eintreten.

Nach dem Kaffee-Erlebnis Weiterfahrt durch Alt-Reinickendorf. Schnell noch an einem russisch-orthodoxen Friedhof vorbeigeschaut, viele zaristische Generäle liegen hier, viele Kinder. Bunt bestückte Kindergräber. Spielzeug, Plüschtiere. Alles üppig vorhanden. Damit der Übergang in die andere Welt nicht so scharf ausfällt. Nicht so hart ist. Um die Grenze ein wenig zu verwischen. Dann noch ein anderer Friedhof, Kriegsgräber hauptsächlich deutscher Zivilisten, viele im April 45 umgekommen, auch Frauen, Kinder. Still halten, ein kurzes Gebet.

Dann setzen wir uns noch auf eine schöne Wiese, der Tag neigt sich langsam seinem süßen Ende zu. Ich krache mich richtig hin, hab das erste Mal im Leben keine Angst vor den Viechern. Mein Gott, was sind schon Viecher. Wir lassen die letzten Sonnenstrahlen auf uns wirken und schlürfen das zweite Warka-Strong. Müssen uns nochmal zur Weiterfahrt zusammenreißen. Unterwegs in Pankower Mauerpark viele jung Leute mit Jack-Wolfskin-Jacken, weiht mich unser Kiezsoziologe ein. Sie sammeln ihre sieben Sachen nach irgendeinem Konzert zusammen, packen alles in Mamas Auto, steigen ein, trinken Bionade. Berlin ist eben gar nicht so hart wie du denkst, sagt Peter Fox.

Heilig werden in Berlin-Schmargendorf, Sau rauslassen im Prenzlberg

April 4th, 2011

Es war viel los in Berlin in letzter Zeit. In Schmargendorf lebe ich eher ruhig, bringe den Müll runter, gehe in die Warmbrunner Straße zur Meditation und fühle mich in meine Chakren ein, die Energiezentren meines Körpers. Und jede Zelle leuchtet dann.  Leuchtet und kribbelt. Und mein Herz öffnet sich. Bei der Meditation mache mir Gedanken darüber, was es heißt, eine Heilige, ein Heiliger zu sein. Woran erkennt man die Heiligen? Natürlich – am Heiligenschein.  Und daran, dass sie selbst ihre Steuererklärung gerne machen. Und daran, dass sie nicht andauernd alles werten. Na ja, das ist das Ziel. Bis zu meiner Heiligsprechung kann es natürlich noch ein wenig dauern. Doch die Übung macht den Meister. Und ich mache kleine Schritte. So. All dies lerne ich in Berlin Schmargendorf. Doch ab und zu bin ich auch im Prenzlauer Berg zu Gast. Dort wird für Spaß und Kultur gesorgt. Ossi-Power ist angesagt. Dort wohnt ein berühmter Haussoziologe, Kiezsoziologe, Möchtegern-Soziologe, eine hausbackene Koryphäe, die auf quasi empirischen Wege ihre Kenntnisse über Berlin gewinnt und sie dann auswertet. Wertet. Das Werten ist sein Element. Und wieheißter wieheißter wieheißter denn nochmal? Er heißt  – Werter. Die Leiden des alten Werters an den Bewohnern von Prenzlauer Berg sind nicht zu übersehen und nicht zu übertreffen, denn er gehört zu den urwüchsigen Ureinwohnern dieses Stadtteils, den Indianern dieser Gegend, und es bringt ihn in den Wahnsinn mitzukriegen, wie barbarisch sich die Neuhinzugezogenen dort gebahren und wie selbstverständlich sie das Gebiet für sich vereinnahmen, es sich geradezu einverleiben. Das sagt der Werter. Und er führt mich an verschiedene Zauberorte, sofern ich ihn nicht gerade an andere Orte führe im Südwesten Berlins, wo er weniger gerne weilt. Er ist ein alter Pfadfinder, findet neue, nicht ausgetretene Pfade. Er ist nicht motorisiert, wozu denn auch, was für einen Weg würde er denn dann gehen? Er fährt Fahrrad.

Gypsy-Swing im Maison Courage

April 4th, 2011

Vor drei Wochen Swing-Jazz und die “Dotschy Reinhardt” mit der Hot Club Session im Maison Courage am U-Bahnhof Senefelder Platz. Es singt eine 33-Sinteza (klingt merkwürdig, wie die Synthese, den Begriff gibt es aber wirklich). Sie singt u.a. Lieder vom berüchtigten, längst verstorbenen Gitarristen aus Belgien Django Reinhardt, dem König von Gypsy-Swing, was auch immer, bin noch kein großer Kenner, werde erst ausgebildet. Janz nett, wenn auch mir zu melancholisch: Du liebst mich, eines Tages verlässt du mich. Das janze auf Englisch.  Einiges  auch auf Romanes. Gesamturteil: Angenehm, ich brauche aber mehr Power und mehr Individualität. Mir zu zart. Vielleicht liegts an der Musikrichtung – für mich gut als Gesprächshintergrund, nicht gut genug, um bei Konzerten richtig mitzugehen. Zum Schluss schenkt uns der Wirt noch ein Kräuterchen ein. Eine Bekannte von ihm spricht mich auf Polnisch an, sie selbst ist aber nicht aus Polen, sie ist aus Cottbus (Chós’ebuz). Na ja, überall gibts Sorben bei uns, sagt sie, daher ist sie im Slawischen bewandert. Und polnisch-russische Vorfahren hätte sie auch. Gern hätte ich länger mit ihr gequatscht. Mann, so offen, so normal. Sie schütteln uns lange die Hände. Der Wirt und diese Frau. Na los, küss ihr die Hand! Sagt sie zum Wirt und er schwingt sich zum Unglaublichen und tut es wirklich. Nach allen Regeln der Kunst, da kann ich nicht meckern. Zu Werter sagt sie ganz unvermittelt: Du übrigens siehst wie ein slavisches Brüderchen aus. Wir schütten das Kräuterchen rein. Nächstes Mal ohne Auto kommen, verstanden? Alles klar? Sage ich zu mir selbst, denn man muss ab und zu tatsächlich mit sich selbst sprechen. Das tut richtig gut.

In der WABE – Max Prosa und die Vorkapelle

April 4th, 2011

Ach Mann, da war noch mehr Kultur, noch mehr, und ich werde dazu angetrieben, diese zu beschreiben. Schreib und schreib und schreib, als ob die Leute nicht selber schreiben könnten, sage ich euch, Alter, eh. Immer neue Jobs für mich, kennen die Leute denn gar kein Maß? Werter scheint kultursüchtig zu sein, es muss heftig bei ihm abgehen Samstags Abends, ein komisches Krankheitsbild! Na gut, da führt mich also der Werter in die WABE, eine Kultureinrichtung noch aus DDR-Zeiten, aus bolschewistischen Zeiten, wie sie im Buche stehen. Die Wabe sieht logischerweise aus wie eine Bienen-Wabe, achteckig ist das Ding und mitten in einem schönen Park gelegen, dem Ernst-Thälmann-Park. Ja, ja, natürlich weiß ich jetzt auch, wer Ernst Thälmann ist, doch hier in diesem Blog ist kein Platz dafür, um darüber Rechenschaft abzulegen. In der Wabe singt zunächst ein Jüngling, der leider noch nicht geübt ist im Umgang mit dem Publikum, ein wenig jungfräulich und zu narzisstisch zugleich. Er wirft das Haar nach hinten, schlürft andauernd Wein, greift nervös und pretentiös immer wieder zur Flasche, greift auf sie zurück, hält sich an ihr fest, vielleicht hält er das Konzert noch durch, das wünsche ich ihm, ich bete für ihn. Und ich werte. Ich werte erbarmungslos, ich werte was das Zeug hält, und tausche meine Wertungen mit meinen Begleitern aus. Es sind: Werter und J. – ein Mann in den besten Jahren, und eine junge Frau. Doch DANN, doch DANN kommt Max Prosa, stürmt die Bühne mit seiner etwas zerzausten und verwilderten Robert-Schumann-Frisur und die Welt wird wieder schön. Fühle mich komisch, dass mir sein Gesang und Gebrüll gefällt. Er ist ganz jung, wohl um die zwanzig, und das ganze Publikum scheint nicht älter als er zu sein in der Wabe. Hie und da soll es Eltern von Musikern hier geben, vereinzelt kommen Exemplare in unserem Alter hier vor, weiht mich der Werter ein und ich nicke brav mit dem Kopf. Und weil ich so brav bin, bringt er mir höflichst ein Kristall und verbeugt sich vor mir. Ein richtiger Gentleman. Ich pfeife das Zeug ein, das gehört dazu. Obwohl ich bald eigentlich nur eins will – aufs Parkett. Werter und ich machen Anstalten zu tanzen, schaukeln zaghaft, J. sieht uns etwas skeptisch an. Werter wertet: Was soll denn dieses Publikum, Mensch, diese jungen Leute von heute, können die nicht mehr tanzen?, ist ihnen das alles peinlich?, oder können sie nicht mehr loslassen?, Mensch, wir früher im Osten. Jajaja, J. und ich wissen das schon allzu genau. Wie und warum es im Osten anders war. Wir trauen uns nicht, nach vorne zu gehen, sind zu alt, würden zu sehr auffallen, dem jungen Max die Show stehlen. Es scheint etwas punkig zu werden, Max wird laut, brüllt extatisch, es geht ab. J. sagt, ach, dieser Prosa, dieser Angeber mit seinen Priester-Gesten. Na ja, klar. Auch er wirkt narzisstisch, selbstverliebt und was weiß ich was. Doch der Unterschied ist: Mann, er kann sich das leisten. Das ist der Punkt.

Ich weiß nicht, wovon er gesungen hat. Nach einer anstrengenden Uni-Woche will ich Textwissenschaftlerin keine Texte mehr hören. Ich will nur Stimmung. Und Musik. Ich will die Welt vergessen. Den Raum. Die Zeit. Einmal kurz aufhören zu sein. Mehr brauche ich nicht. Und was er mir sagen will, sagt mir sowieso nichts. Ist nicht aus meinem Märchen. Bin zu alt dafür. Und zu Frau. An einem anderen Punkt. Er soll einfach nur er sein. Das fetzt genug.

 

 

Konzert zum 25. Geburtstag der Berliner Wabe

April 4th, 2011

Am Freitag, dem 01.04.11, wieder in der WABE. Konzert zum Geburtstag der Einrichtung und ein paar bemerkenswerte Erscheinungen. Vor allem die Bolschewistische Kurkapelle schwarz-rot 2.0. Das war richtig verrückt. Besonders gut: Eine Parodie auf den Song von Ton Steine Scherben (Kreuzberger Untergrundband aus den 70-ern) „Macht kaputt was Euch kaputt macht“ – u.a. von einem zierlichen flinken jungen Mann gesungen, wie ein richtiger Faun sah er aus. Woher so eine Mannestimme in so einem zarten Jüngling…? Und wie er dazu getänzelt hat – richtig zum Piepen, wie die Deutschen sagen. Beinahe wie Jožin z Bažin. Also: „macht kaputt was euch kaputt macht“, und dann als Echo: „Yippie Yeah, Yippie Yeah, Krawall und Remmi demmi“.

Was gab es denn da noch. A ja, Vocalpop von muSix! Das beste davon war die Parodie auf türkischen Pop. Orientalisch emotional, zu Herzen gehend, und vor allem die GESTEN, die GESTEN! Und das von einem Deutschen rübergebracht. Eine besondere Köstlichkeit.

Dann noch u.a. ein melancholisches Lied von Wenzel – „Heringsdorfer Promenade“, von der Freiheitssehnsucht der Ossis. Zu Herzen gehend. „Segel fange mir den Wind, treibe fort mein Boot, ehe wir gestorben sind, wie vor Freude tot“. Werter hält es kaum aus. Dann noch Dirk Michaelis. J. sagt – es sei kitschig. Er hat sich sehr geöffnet, das ist wahr. Unter anderem in einem romantischen Liebeslied. Er findet, die Stimmung wäre so schön kuschlig. Wir kuscheln gerade so schön, sagt er zum Publikum. Will nichts Lustiges singen. Er riskiert viel, zeigt sich, wie er ist – ein Minimum an künstlerischer Form, ein Maximum an Schutzlosigkeit. Es kommt gut an. Das Publikum ist gerührt und fühlt mit mit seinen Ossis. Michaelis, ist, glaube ich, ein wenig verbittert, ein wenig traurig. Scheinbar war die Wende seiner Karriere nicht förderlich, wenn ich das richtig verstanden habe. Selbst Wenzel macht eine Anspielung darauf, dass er nach der Wende als Nachwuchskünstler anfangen musste. Verstehe. Seine Gemeinde liebt ihn, er braucht nur einen Ton von sich zu geben, alle sind wie verzaubert. Er drückt ihre Befindlichkeit 21 Jahre nach der Wende offenbar treffend aus. Und löst den Gefühlsstau (H-J. Maaz). Für einen Augenblick.

Meeres-Sehnsucht, fale nam biją o brzeg

Juli 5th, 2010

Nie ma nic piękniejszego niż leżeć na piasku nad jakąś wielką wodą. Brzeg rzeki Havel już pomału przestaje mi wystarczać. Morze wzywa.

Abstract in Deutsch:

 

Das Meer ruft.

Die Professorin tanzt. Taniec profesorki

Juli 5th, 2010

Am Samstag (nach dem spektakulären Sieg “unserer Jungs” über Argentinien) Besuch im deutsch-polnischen „Teatr Studio am Salzufer“ bei Janina Szarek und Olav Münzberg zusammen mit einer Professorin aus Polen. Nach der Vorstellung ein Bier in einem türkischen Restaurant bei live Musik. Plötzlich steht die Professorin spontan auf und tanzt dazu mitten im Saal temperamentvoll einen orientalischen Tanz, hört gar nicht mehr auf. Bin begeistert, kann mich vor Lachen kaum halten.

Abstract in Polnisch:

W sobotę Berlin w euforii po wygranym meczu z Argentyną. Ja też wymachuję ręką z samochodu w odpowiedzi na wesołe zaczepki niemieckich fanów, którzy koniecznie chcą się upewnić, czy aby na pewno wszyscy się cieszymy. Potem w Teatrze Studio am Salzufer u Janiny Szarek i Olava Münzberga z panią profesor z Krakowa. Po przedstawieniu Mrożkowych „Emigrantów” piwo w pobliskiej tureckiej restauracji. Rozbrzmiewa muzyka live i pani profesor, którą za to uwielbiam, wychodzi na środek pustej sali i z wdziękiem oraz temperamentem tańczy taniec orientalny jakby nigdy nic. Takich chwil się nie zapomina.

 

Freuden der Prüfungszeit. Uciechy sesji

Juli 5th, 2010


Już od dawna sesja na szczecińskim uniwersytecie. Moje koleżanki i moi koledzy sprawdzają niezliczone ilości prac magisterskich i licencjackich, przeprowadzają masy egzaminów. Ja też, ale inni mają tych prac jeszcze więcej, nie wiem, jak sobie z tym radzą. „Jesteśmy zahartowani”, mówią i zaharowują się. Studenci nie bardzo potrafią pisać prace, praca licencjacka jest ich pierwszą pracą naukową, jest zupełnie inaczej niż w Niemczech, gdzie od początku trzeba tego typu teksty pisać. Stąd też muszę w Szczecinie w pisaniu tych prac przez studentki dużo bardziej partycypować… Jest to (mały) kawałek ciężko zarobionego chleba. Studentki i studenci doceniają jednak ciężką pracę profesorstwa, na obrony ubierają się odświętnie, przynoszą piękne kwiaty, a czasem nawet pieką ciasto dla egzaminatorek i egzaminatorów. W zeszły piątek takie pyszne ciasto zjadłam (z migdałami), kawałek zabrałam nawet ze sobą do pociągu. Dziękuję na tym forum studentkom lub ich mamom-tatom za ten wspaniały wypiek, który rozpakowałam natychmiast w pociągu linii Szczecin-Angermünde ku wielkiej zazdrości członków mojej grupy lokomocyjnej (skonsolidowanej jak zwykle wspólnym biletem brandenburskim).

 Abstract in Deutsch:

 

Viele Bachelor- und Magisterarbeiten in Stettin zu korrigieren. Massenhaft Prüfungen. Die Dozenten sind abgehärtet, arbeiten so hart wie ich das hier „bei uns in Deutschland“ noch nie erlebt habe… Dafür gibt es dann Blumen von den Studentinnen und selbst gebackenen Kuchen für die Prüfungsstunden. Ein Dank an Väter und Mütter dieser Studentinnen für die wunderbare Mandeltorte, zwei Stückchen davon habe ich noch im Zug der Linie Stettin-Angermünde (Schtschetschin-Angermünde) sofort ausgepackt. Die Mitglieder meiner Brandenburg-Ticket-Gruppe platzten vor Neid.

 

 

Sklavin und Königin. Frida Kahlo, Ausstellung im Gropius–Bau, Film von Julie Taymor

Juli 2nd, 2010

Ich schau mir in Berlin in der Regel keine Ausstellungen an. So ist das, wenn man in der Hauptstadt lebt. Da wird man leicht nachlässig, gibt sich keine Mühe mehr. Ich mach das nur, wenn Besuch kommt. Und es kam Besuch, Inga Iwasiów aus Stettin. Fridas Ausstellung also – heute mal wieder Kultur, macht sich immer besser im Blog als persönlicher Kram. Die würdevollen Porträts haben mich beeindruckt. Jeder Mensch, und vor allem Frida selbst, erscheint auf diesen Porträts wie ein König, wie eine Königin. Jedes Porträt – eine Feier unserer Einzigartigkeit, Unverwechselbarkeit, unserer Würde. Die Umrahmung verstärkt das noch. Und Frida selbst – stolz, voller Selbstwertgefühl, ein wenig misstrauisch. Obst in wunderbaren Farben, das pralle Leben zum Anbeißen. Leidenschaft und Lebendigkeit, dies sehe ich in dieser Malerei noch deutlicher als Verkrüppelung, Schmerz und Tod.


Habe mir nachher noch, wie es halb Berlin auch gemacht hat, den Film über Frida angeschaut („Frida“ 2002, Regie: Julie Taymor). Natürlich – wunderschön anzuschauen, vor allem wegen der prächtigen Farben, Gewänder und wegen der Souverenität, Ausstrahlung und Schönheit von Salma Hayek. Was für eine Frau – wer auch immer, die Schauspielerin oder Frida. Die Frau, die zu ihrem verkrüppelten Körper steht und ihn schmückt bis zum geht nicht mehr. Weil sie eine Königin ist und königliche Würde hat, da kann ihr auch die Krankheit nichts. Und trotzdem bleibt der Film nur ein oberflächlicher Sinnengenuss. Es ist kein Film aus Frauenperspektive, die ganze Filmästhetik sieht es, wie so oft, auf Männer ab. (Begründet ist das sicherlich in Fridas Biografie, der Biografie einer der vielen Künstlerinnen, die ohne die Förderung eines mächtigen Mannes vielleicht nicht vorwärts gekommen wären, weil die patriarchalische Gesellschaft so funktioniert.) Der Film: Viele wunderschöne, junge, nackte Frauenkörper mit stark betonten Kurven. Und ziemlich unansehnnliche oder alte Männer, mit denen die schöne Frau dann schlafen darf. Es reicht ja, wenn die Frau schön ist – der Mann darf ruhig hässlich oder viel älter sein, Hauptsache, er ist ein großer Maler oder ein Revolutionär. In einem deutschen Film „Sommer vorm Balkon“ (2004, Regie: Andreas Dresen) kommt es noch schlimmer. Die Männer sind weder schön noch interessant, und trotzdem sind zwei schicke Frauen heiß auf diese verpennten Typen. Der Film gefällt einigen Männern, die ich kenne, viel besser als alle romantischen Komödien der Welt – denn sie bekommen das gute Gefühl, sie brauchen sich keine Mühe zu geben, um Frauen zu gefallen, es reicht ein Mann zu sein, um heiß begehrt zu werden.

Zurück zu „Frida“. Der ganze Film ist fokussiert auf die zerstörerische Beziehung zu Diego. Ja, er hat ihr die Kariere ermöglicht, sonst hätte das Talent vielleicht nicht viel genützt. Und trotzdem, man hätte ihr Leben vielleicht aus einer anderen Perspektive zeigen können, anders die Akzente setzen, auf andere Menschen, Dinge, Aktivitäten, Leidenschaften. Bestimmt gab es in ihrem Leben auch andere Sachen als Diego. Oder man hätte wenigstens diese zerstörerische Beziehung problematisieren können. Seine Untreue zum Beispiel. Na klar, auch sie wurde dann untreu, dies war ursprünglich aber nicht ihre Absicht. Als sie merkte, es gibt keine Hoffnung, dass er sich ändert, suchte sie sich auch schöne Frauen (und Männer), denn nur so konnte sie für ihn attraktiv, ihm ebenbürtig bleiben. Das ist auf den ersten Blick ein feministischer Akzent. Aber sie passt sich ja seinen Spielregeln an. Sie macht es aus Verzweiflung, und weil sie nicht in der Lage ist, ihn zu verlassen. Das „rationalisiert“ sie dann gekonnt, indem sie zum Beispiel sagt: „Ach, was soll’s, ich liebe ihn ja so wie er ist. Wenn ich seine Untreue nicht akzeptieren würde, würde ich ihn nicht lieben.“ Schwachsinn – meiner Meinung nach. Es wurde jedoch versucht, dies als eine Weisheit zu verkaufen. Keine Spur von kritischer Sicht auf diese Beziehung, keine Vertiefung der Problematik ihrer destruktiven Dynamik. Denn das bunte Treiben macht ja Frida nicht glücklich, Diego wohl auch nicht. Trotzdem wird versucht, die Beziehung zu Diego bis zum Schluss zu „romantisieren“. Symbolisch siegt die Liebe über den Tod, mit dem Ring, den die kranke Frida ihrem „Fettwanst“ überreicht. Ich bin da nicht sonderlich gerührt. Mich hat diese krank machende Beziehung nicht im geringsten überzeugt.  

Aber das Ende hat mich beeindruckt. Frida auf dem Krankenbett auf eigener Ausstellung. Frida auf dem Totenbett. Spiel zwischen Bildern und Realität. Flammen, die sie verschlingen. Leidenschaftlich auch in den Armen des Todes.

 

Abstract in Polnisch:

 

Wystawa Fridy Kahlo w Gropius-Bau. Portrety, na których każdy jest królem, królową, portrety wydobywające z ludzi godność i to, że są czymś niepowtarzalnym, jedynym.

Film „Frida” (2004). Piękna, cudownie ubrana, pełna temperamentu kobieta starannie zdobiąca swoje chore ciało, królowa życia właśnie. Ale: Piękne kobiety kochające się z brzydkimi facetami – męska estetyka. Biografia Fridy przedstawiona prawie wyłącznie z perspektywy związku z Diego. Brak krytycznego spojrzenia na ten destrukcyjny związek, w którym Frida przejęła reguły gry męża (niewierność, spanie z pięknymi kobietami), żeby nie zostać przez niego porzuconą, żeby pozostać mu równą i atrakcyjną. Niby fajny pomysł, ale trochę zabójczy jednak. Jeszcze gorsi faceci w filmie Andreasa Dresena „Sommer vorm Balkon” (2004). Ale piękne i fajne babki chętnie idą z nimi do łóżka, więc męski widz może spać spokojnie.

 

Bremsen oder Rasen, das ist hier die Frage / pruć ociec? pruć

Juni 29th, 2010

05.06.2010 

Po wielu, wielu latach znowu jeżdzę autostradą z nauczycielem, luźny koleś z mojej dzielnicy Schmargendorf, przełamuję lęk. I myślę sobie, że jest tak. Boję się szybkości. Bo trzeba pruć, bo trzeba szybko podejmować decyzje. Wyprzedzać. Zmieniać pas. Ryzykować. A ja żyję na zaciągniętym hamulcu. Ale co to za, kur zapiał, życie.

 

 Abstract in Deutsch:)

 

 Was hat Autofahren mit dem Leben zu tun? Viel. Angst vor der Autobahn und der Geschwindigkeit = Angst davor, kühne Entscheidungen zu treffen und nach vorne zu gehen, entschieden vorwärts zu streben wie unser Liebling Klose vorgestern beim Torschießen im Spiel gegen England. Gründsätzlich lebe ich mit angezogener Bremse. Doch es gibt Hoffnung. Ich fahre wieder Autobahn – mit meinem Schmargendorfer Lieblingsfahrlehrer, ein richtiger Geheimtipp ist das, der Lothar. Denn Lothar bleibt immer locker. Und da lasse ich schon mal ab und zu Bremse Bremse sein. Bitte nicht falsch verstehen. Ein bisschen Spaß muss sein – das genehmigen sich sogar die Deutschen ab und zu, in einem gewissen Rahmen. Es jefällt ma einfach, es ist korrekt.

Immigrant punk oder ein mystisches Erlebnis. Die Band „Gogol Bordello“ am 03.06.10 im “Astra”, Berlin Friedrichshain

Juni 29th, 2010

04.06.2010 


Justina hat gesagt, es gibt ein tolles Konzert, also nix wie hin. Punkiges, vorwiegend junges, teils verpennt aussehendes Publikum, Gedränge vor dem Club im angesagten Friedrichshain. Darf ich da überhaupt noch sein? In meinem verdammten Alter?

Der New-York Ukrainer Eugene Hütz mit seiner Band. Punk, inspiriert von russischer Folklore und von Gypsy-Rhytmen. Immigrant, immigrant, immigrant punk. Die Musik ist elektrisierend, der Sänger hat den Mut zu singen und zu schreien, wie er will, und die Extase lässt nicht lange auf sich warten. Es geht ab wie’s Vieh. Ein mystisches Erlebnis pur. Partyyy!

Bei einem mystischen Erlebnis werden Körper und Seele wieder eins, man wird für kurze Zeit heil und ganz, ist einfach da, in diesem Augenblick, an diesem Ort. Bekanntlich wird man da auch eins mit den anderen. Und dieses Konzert war eine einzige Zärtlichkeit. Wenn jemand einen beim Vorbeigehen oder Tanzen zufällig angestoßen hat, hat er den anderen gleich liebevoll gestreichelt, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau. Viele ließen sich vertrauensvoll in die Menge fallen und auf den Händen durch den Saal tragen. Auf diesen wogenden, warmen Wellen gleiten – das geht tiefer als das Friedenszeichen in der Kirche. Doch leider bin ick selbst zu schwer dazu.

Gegenseitige Annahme, Sympathie oder gar Liebe durchströmte den Saal. Die Leute spürten, wie ähnlich sie einander sind, dass sie eigentlich alle die gleiche Sehnsucht haben. Aufgelöst haben sich Neid, Hass und Rivalität. Ein extatisches Gefühl erfüllter Urbedürfnisse. Die Überschreitung der Grenzen zwischen Ich und Welt, die Berührung Gottes.

 

Abstract in der Weltsprache Polnisch:

 

Chodzi pokrótce o to, że podobał mi się koncert „gypsy-punk” grupy „Gogol Bordello”, że lubię Eugeniusza Hütza i jego rosyjski akcent w angielskim, jego migrancką świadomość, jego wariacki immigrant punk. Chodzi także o to, że koncert był niejako przeżyciem mistycznym do mszy świętej podobnym, a nawet ją poniekąd przewyższył. Ludzie byli dla siebie czuli, głaskali się przy każdej okazji (okazją mogło być potrącenie kogoś na przykład), nosili się na rękach, jakaś miłość wzajemna i jedność zapanowała między nami, przekroczyliśmy granice między sobą a innymi, sobą a światem, dusza znów znalazła swoje miejsce w ciele, tu i teraz, o reszcie się zapomniało, i to było cholernie fajne. Esktaza i partyyy!

 

 

Mütter, Töchter, Migrantinnen / Matki, córki, migrantki. US-Filmkomödie „Spenglish“ 2004, J. L. Brooks

Juni 29th, 2010

03.06.2010

 

Nach anfänglichem Schwachsinn wird der Film doch ernster, als man es gedacht hätte.

Der degenerierte, dekadente Westen, repräsentiert durch die weiße Amerikanerin Deborah, ist am Ende. Alles wird nur noch über Leistungsdruck geregelt, sogar Sex verkommt zum seelenlosen Leistungsport. Es herrscht der Machbarkeitswahn, z.B. der Zwang, seinen Körper um jeden Preis nach gelten Schönheitsmaßstäben zu formen. Dies wird mit Verbissenheit sondergleichen verfolgt, die jede Lebendigkeit tötet.

Doch wenn es das einzige Problem wäre. Mit ihrem Mann will John will Deborah immer alles bereden, sie kotzt alles aus, beherrscht perfekt den tirvialisierten Psychologie-Jargon, hat aber vom Leben nichts verstanden. Das Schlimmste ist aber, dass sie ihre eigene Tochter verleugnet, weil sie zu dick ist, und nicht so gescheit, wie es die Mutter gerne. Deshalb wird die Tochter verraten. Deborah „verliebt sich“ in die Tochter ihrer mexikanischen Haushaltshilfe Flor.

Deborahs Mann leidet an all diesen Symtomen des Verfalls, er hat eine Sehnsucht nach etwas ganz Anderem, Unverdorbenem. Und verliebt sich naturgemäß in Flor.

Die Großmutter, früher eine Diva, die mit im Haus lebt, ist zwar auch „degeneriert“, hat aber noch das Gespür für das Richtige nicht verloren. Die Alkoholikerin wird nüchtern und tatkräftig, als sie merkt, dass ihre Tochter durch ihr irrsinniges Verhalten im Begriffe ist, ihren Mann zu verlieren und ihr Leben zu ruinieren. In einer tragi-komischen Aktion körperlicher Überwältigung hindert sie ihre Tochter daran, ihren Mann fertig zu machen. Eine spannende und originelle Mutter-Tochter-Beziehung!

Die intendierte Botschaft des Filmes ist: Mexikaner sollten sich nicht sonderlich assimilieren und an den US-Lebensstil anpassen, sie sollen bleiben, wie sie sind. Die (mexikanische) Tochter soll wie die (mexikanische) Mutter werden, soll sich nicht von der verkommenen „Kultur“ des Gastlandes infizieren lassen, nicht ihre Identität verändern. Das ist die edle Aussage des Filmes – ist sie aber wirklich so edel?

Nichts gegen die Kritik des westlichen Lebenswandels, des Konsumwahns und dergleichen. Aber: Warum sollte die Tochter eigentlich wie die Mutter werden?

Die mexikanische Mutter ist verschwiegen, stolz, streng katholisch wahrscheinlich, besticht durch ihre Einfachheit und vermeintliche „Urprünglichkeit“, durch ihren Sinn für das Gute, Moralische. Sie verweigert es rigoros, Alkohol zu trinken, setzt alles daran, ihre Tochter von Jungs fernzuhalten und verbietet bestimmte Verhaltensweisen, die Cristina von der amerikanischen Familie lernt (z.B. bunte Strähnen im Haar haben). Am Ende entscheidet sich Flor gegen das Ausleben der Liebe zum John Clasky. Eine bewundernswerte Frau! Wir sollen von ihr lernen, wie wir leben sollen in Zeiten unseres Werteverfalls, nicht sie von uns – will uns der Film sagen.

Wenn da nicht der nagende Zweifel in mir wäre, ob das alles nicht doch etwas zu einfach ist. Denn auch die Mexikanerin Flor missbraucht eigentlich ihre Tochter. In der Emigrationssituation ist die Tochter das Einzige, was sie hat. Bei Strafe ihres Untergangs kann sie die Tochter also nicht loslassen, ihr zum Beispiel erlauben, auf der amerikanischen Privatschule zu bleiben. Das narzisstische Bedürfnis, die Tochter immer bei sich zu haben und in ihr das eigene Abbild zu sehen, aber auch der Stolz bringen Flor dazu, ihre Tochter aus der Schule zu nehmen. Es gelingt ihr, Cristina zu „bezwingen“ und zu überzeugen, dass all dies zu ihrem Wohl geschieht. Die Tochter wird sich im Endeffekt viel zu sehr mit der Mutter identifizieren, wird Schwierigkeiten haben, eine eigenständige Person zu werden und sich auch notfalls von der Herkunftskultur zu distanzieren. Deshalb stört die etwas verlogene Mutter-Tochter-Romantik im Finale des Filmes.

Der Film idealisiert die vermeintliche „Ursprünglichkeit“ der Fremden. Natürlich ist es gut, wenn wir uns vom Fremden ansprechen und inspirieren lassen, uns dadurch selbst erweitern, unseren „Schatten“ integrieren. Es wäre jedoch gut, dies zu tun. ohne das Fremde zu verklären und ohne wiederum seine Schattenseiten zu übersehen (das Dogmatische zum Beispiel, die zu große autoritäre Strenge, die Schwierigkeit, Kinder loszulassen). Hybride Identitäten schweben mir vor, ein gegenseitiges Sich-Befruchten.

Trotzdem ein netter Film, der dazu anregt, sich nicht nur Fragen zum Verhältnis der Gastkultur zur Migrantenkultur und zu Mechanismen mentaler Kolonisierung, den kulturellen und gesellschaftlichen Dominanzverhältnissen zu stellen, sondern auch über Mutter-Tochter-Relationen nachzudenken. Wir könnten uns hier fragen: Achte ich meine Tochter als eigenständigen Menschen? Akzepiere ich sie, obwohl sie in manchen Dingen meinen Idealvorstellungen nicht entspricht? Oder verrate ich sie, will sie mit Gewalt nach meinem Ebenbild „machen“? Sorge ich genügend für mein eigenes Glück, damit ich meine Tochter gehen lassen kann?

Meine Tochter sagt mir gerade, ich missbrauche und missdeute den Film, nutze ihn als Vorwand, um eigene „Wahrheiten“ zu verkaufen. Und wo sie Recht hat, hat sie Recht.


Abstract in der Muttersprache Polnisch:

 

Kilka słów z okazji obejrzenia komedii amerykańskiej „Spenglish” (2004). Kochane kobiety, zastanówcie się nad tym, co robicie swoim córkom. Czy czasem ich nie „gwałcicie”, żeby koniecznie zaczęły odpowiadać panującym normom dotyczącym czy to wyglądu, czy innych kwestii? Np. doboru męża chociażby, czy wyboru zawodu? Żeby stały się podobne do was i przysparzały Wam w dodatku prestiżu? Matki, starajcie się o to, żeby same być szczęśliwe, bardzo pomożecie w ten sposób swoim córkom, zwolnicie ich z odpowiedzialności za was,  przekażecie im power potrzebny do ich własnego szczęścia. Dacie zezwolenie na fajne życie.

 

Kochani przedstawiciele zdegenerowanego Zachodu, którzy pragną się zreformować i uchronić świat przed upadkiem – nie popełniajcie odwrotnego błędu i nie popadajcie w bezkrytyczną apoteozę „obcego” sądząc, że siła tkwi w „archaiczności”! Inspirujmy się i zapładniajmy nawzajem – was auch immer das bedeuten mag.

 

Kochana mamusiu! Nie naginaj filmu do własnego światopoglądu, nie wykorzystuj filmu w bezczelny sposób do tego, żeby sprzedać ludziom jakieś swoje prawdy i wygłosić kolejne kazanie. Powiedziała mi córka.